In seiner Laudatio an Eduardo Chillida (geb.: 10.Januar 1924 in San Sebastián - Baskenland) 1985 in Goslar sagte Werner Schmalenbach: "Wenn ich aufgefordert werden würde, einen Künstler dieser Zeit zu nennen, dessen Werke einen eminent statischen Charakter haben, ich würde Chillida nennen. Wenn man mich aufforderte, einen Künstler derselben Zeit zu nennen, dessen Werke einen eminent dynamischen Charakter haben, dann hieße dieser Künstler ebenfalls Chillida." Er steigert dies noch: " (..) sie ist eine leidenschaftlich statische, und sie ist zugleich eine leidenschaftlich dynamische Kunst." (S.37, aus: Chillida, 1991Verlag Gerd Hatje)

Die Dynamik in der Statik, das Materielose in der Materie, die Schwerelosigkeit in der Schwere sind alles Beschreibungen, die für Chillidas Skulpturen verwendet wurden.
Die scheinbaren Gegensatzpaare finden in seinen Skulpturen eine Vereinigung, da sie sich an ihrer Nahtstelle begegnen, worin sich zeigt, daß das eine ohne das andere nicht existieren kann oder anders gesagt, die die zwei Seiten ein und desselben darstellen.
Der Raum, in dem und durch den diese Skulpturen erst existieren ist Außenraum und Innenraum, die Skulptur die Grenze zwischen beiden und gleichzeitig die Verbindung, der Weg vom einen zum anderen, die Beschreibung von beidem. So bezeichnet sich Chillida selbst als "Architekten der Leere".
Zu diesen Gegensatzpaaren paßt es auch, daß Chillida Musik materielle Gestalt gegeben hat. "Stille Musik", " Der stumme Raum singt einen Gesang, den wir nicht mit den Ohren hören, sondern mit den Augen ..." (Octavio Paz)

Diese Phänomene, die in Chillidas Werk bemerkt werden, waren Anregung und Inspiration für das Stück. Das Erforschen, die Auseinandersetzung mit der in der Statik innewohnenden Dynamik oder auch Energie, Spannung, etc., mit der in den Raum gegossenen Musik der Stille, der Visualisierung des Immateriellen, mit dem Kampf gegen die Schwerkraft, wodurch sich seine Kunst zwischen Gravitation und Levitation bewegt.

Starre Form macht sich auf in den Raum
erkundet, erschafft, begründet
Erstarrte Bewegung vibriert auf ihrem Weg durch den Raum
Das Lächeln des Unbemerkten
im Nachklang
(30.Januar 2002, Simone Irmer)